Jetzt ein Segelboot sein eigen nennen!

Ich stehe im Hafen von Dalarö und schaue sehnsüchtig auf all die kleinen, grauen, Felseninseln, die wie hingestreut in der blau funkelnden Ostsee liegen. Leider habe ich Segeln und Motorbootfahren nie gelernt. Aber – es geht es auch ohne.

Für all die Menschen, die ohne ein eigenes Wasserfahrzeug durchs Leben kommen müssen, fährt die schwedische Reederei Waxholmsbolaget das ganze Jahr hindurch mit über vierzig Schiffen mehr als zweihundertfünfzig Anlegebrücken im Stockholmer Schärengarten an und sichert so die Versorgung der Menschen auf den unzähligen Inseln. Passagiere, Tiere und Waren werden vom Festland zur Insel und wieder zurück befördert.

Ich jedoch möchte nur gerne einmal in die Schären hinaus und ein wenig „Saltkråkan“-Feeling genießen. Für eine Handvoll Kronen gibt es ein Rückfahrticket von Dalarö, und schon legt die „Mysing“ ab und pflügt mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit durch die Ostseewellen Richtung Fjärdlång.

MS Mysing

Auf der MS Mysing unterwegs nach Fjärdlång.

Eine knappe Stunde und einige Anlegebrücken und Inselchen später ist man da. Zehn, fünfzehn Touristen stolpern gemeinsam mit uns auf die kleine Holzbrücke, offensichtlich kennen sie sich hier aus, denn nur wenige Minuten später hat sich alles verlaufen. Eine Holztafel heißt Besucher willkommen und informiert über die Attraktionen des Naturreservats.

Und welche sind das? Nun, nicht viele.

Ernest Thiel, um 1918

In der Mitte der Insel steht die „Thielska Villa“. Um die Jahrhundertwende herum hatte der schwedische Bankmagnat und Kunstsammler Ernest Thiel die Insel Fjärdlång schlicht und einfach gekauft und die Villa als Sommerresidenz erbauen lassen. Zu dieser Zeit galt Thiel als der reichste Mann Schwedens. Mit nicht unumstrittenen Methoden hatte er ein enormes Vermögen angehäuft. Nebenher ließ er sich von Edvard Munch porträtieren ließ, schrieb Gedichte (von denen einige von dem bekannten schwedischen Komponisten Hugo Alfvén vertont wurden) und übersetzte Nietzsche ins Schwedische . Genützt hat es ihm nichts, er ging Konkurs und musste seine Privatresidenz in Stockholm und seine umfangreiche Kunstsammlung dem schwedischen Staat übereignen. „Thielska Galleriet“ auf Djurgården ist heute ein bedeutendes Kunstmuseum mit Werken von u.a. Zorn, Larsson und Munch.

Die „Thielska Villa“ auf Fjärdlång wirkt vor diesem Hintergrund fast bescheiden. Sie ist heute ein Vandrarhem, eine einfache Herberge. Wer also länger auf Fjärdlång bleiben möchte, kann sich hier einlogieren und vielleicht ein wenig vom Glanz vergangener Tage träumen, in denen die Thiel’sche Familie Ende Juni mit Sack und Pack und Dienstboten aus Stockholm herüber kam, um für einige Wochen den Sommer und das gute Leben der schwedischen Oberschicht zu geniessen.

Thielska villan, Fjärdlång

Mittlerweile gehört die Insel dem schwedischen Staat, und der hat 1985 ein Naturreservat daraus gemacht. Man kann  durch das kleine Inselwäldchen wandern, die Ruhe geniessen, auf die Klippen klettern und die Ruhe geniessen und sich von den Klippen in die Ostsee werfen und danach die Ruhe geniessen.

Und wenn man das mag, ist es toll.

Badeklippen auf Fjärdlång

Am Anleger gibt es einen kleinen Kiosk, mit einem überschaubaren Angebot. Hier essen wir noch ein Eis, bevor es am späten Nachmittag mit der Mysing zurück nach Dalarö geht. Adjö, Fjärdlång!

Fjärdlångs Vandrarhem
in der „Thielska Villa“
Tel.: +46 70 6456181
http://fjardlang-huvudskar.se/

Waxholmsbolaget
Webseite der Schiffsverbindung u.a. von Dalarö nach Fjärdlång mit aktuellen Fahrplänen und Fahrpreisen
http://www.waxholmsbolaget.se/

 

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